Cover des Albums "Golden Cages" von Faada Freddy: Faada Freddy mit orangenem Anzug und Melone inmitten einer kargen, flachen Steinwüste; in der Ferne weitere Versionen von Faada Freddy

Stimme und Soul auf Faada Freddys "Golden Cages"

Stand: 28.04.2024, 00:00 Uhr

Der Sound von Faada Freddy ist einzigartig im Global Pop. Nur mit Hilfe von Stimme und Körper entwickelt der Senegalese Gospel-Balladen, treibende Dancehall-Riddims oder hymnischen Stadion-Rock. Sein zweites Album "Golden Cages" ist ein Gegenentwurf zur Hektik der Moderne, mit positiven Botschaften und viel Spielfreude.

Von Adrian Nowak

Faada Freddy: "Golden Cages"

COSMO 29.04.2024 02:30 Min. Verfügbar bis 28.04.2025 COSMO


"Ich mache Musik ohne Pestizide", witzelt Faada Freddy, wenn er über sein neues Album spricht. Denn in einer Welt, in der Musik von Computerbeats, Autotune und künstlicher Intelligenz geprägt wird setzt er auf natürliche, organische Klänge, die alle mit dem menschlichen Körper gemacht werden. Nur mit Klatschen, Schnipsen, Stampfen, Singen, Rappen und Beatboxen entstanden die Songs auf "Golden Cages" - ein weiterer Höhepunkt in der Karriere des Senegalesen.

Die Laufbahn von Faada Freddy begann in St. Louis im Nordwesten des Senegals, hier wurde er 1975 als Abdou Fatah Seck geboren und begeisterte sich in seiner Jugend vor allem für Soul und HipHop. 1992 gründete er die Rap-Gruppe Daara J, die mit engagierten Texten auch außerhalb des Senegals bekannt wurde und sich die Bühne mit Weltstars wie Public Enemy, Mos Def oder Wyclef Jean teilte.

Beat Box Gospel

Schon bei Daara J gab es neben Doubletime-Rap viel Gesang und auch Acapella-Einlagen. Als Faada Freddy 2015 an seinem ersten Solo-Album "Gospel Journey" arbeitet, stellt er die menschliche Stimme komplett ins Zentrum seiner Musik. Mit einem fünfköpfigen Gesangsensemble covert er Songs der Popsängerin Sia, der Hardcore-Band Rise Against oder der Singer/Songwriterin Irma und überführt sie in sein Acapella-Gospel-Universum. Es folgen Auszeichnungen und zahlreiche Auftritte, vor allem in seiner Wahlheimat Frankreich ist Faada Freddy mega erfolgreich.

Auf seinem neuen Werk verzichtet er auf Coverversionen, stattdessen gibt es zwölf eigene Kompositionen, die trotz des begrenzten Instrumentariums maximal abwechslungsreich klingen. Seine Acapella-Band imitiert auf "Happy Together" rockige Gitarrenriffs, in "Aladdin" beatboxen sie einem minimalen Dancehall-Riddim und auf "Day To Day Struggle" summen sie im Walzer-Takt. Neu ist, dass diesmal viel mehr "gestampft" wird, was den Tracks viel mehr Druck verleiht als den Stücken auf dem Vorgängeralbum.

Don't worry, be happy together

Gemeinsam haben alle neuen Songs die beschwingten und poppigen Melodien, welche die positiven Botschaften von Faada Freddy zusätzlich unterstreichen. Viele Stücke erinnern an "Don't Worry Be Happy" von Bobby McFerrin, eins der absoluten Lieblingsstücke von Faada Freddy, das auch nur mit Gesang, Schnipsen und Beatbox arbeitet.

 "Happy Together" beschreibt, dass wir Menschen Gemeinschaft brauchen um glücklich zu sein, "Tables Will Turn" wiederholt Mantra-artig "we gonna make it" und macht Hoffnung auf eine bessere Zukunft. In "The One For Me" geht es um einen Mann, der von seiner Freundin betrogen wird. Doch mit einem flotten Beat dreht Freddy das Liebesdrama in eine positive Erzählung, in der es darum geht aus Fehlern zu lernen. Neben persönlichen Erlebnissen behandelt er auf Songs wie "Africa Nangadef" auch gesellschaftliche Themen. Der Titel heißt auf Wolof "Afrika wie geht es Dir?" und ist einer der wenigen Songs, auf denen er in seiner Muttersprache singt. Zur Seite steht ihm dabei Benins Superstar Angelique Kidjo, die gemeinsam mit ihm die Errungenschaften des Kontinents feiert. Um seine afrikanischen Wurzeln geht es auch im getragenen "Massilo", in dem er sich auf die Griot-Tradition besinnt und betont, wie wichtig es ist seine eigenen Geschichte zu kennen. 

Das Titelstück "Golden Cages" beschäftigt sich mit der modernen kapitalistischen Gesellschaft und bezeichnet diese als goldenen Käfig, in dem wir trotz vieler Möglichkeiten manipuliert und unterdrückt werden. Er rät "Free up your mind" und beschreibt, dass der Himmel sein Dach und die Welt sein Land ist.

"Das Ziel meiner Musik ist es nicht die Leute in Depressionen zu stürzen. Ich betrachte ihre Probleme und sage dann: Das Wichtigste ist das, was ihr daraus lernt." Faada Freddy

Mit "Golden Cages" setzt Faada Freddy seine "Gospel Journey" fort, und übertrifft sein Debütalbum mit Songs voller Poesie, Leichtigkeit und Hoffnung.